Gitarren mit thermisch modifizierten Holzarten fertigen

Armin Hanika aus Baiersdorf und TU Dresden entwickeln neues Verfahren – Auszeichnung als »Handwerksprojekt des Jahres«

Die Baiersdorfer Gitarrenbaumanufaktur Hanika wurde im Frühjahr vom Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie für ihre thermisch modifizierten Hölzer zur Anwendung im Gitarrenbau als ,,Handwerksprojekt des

Jahres” ausgezeichnet.

Zusammen mit den Ingenieuren der TU Dresden hat die Gitarrenbaumanufaktur Armin Hanika ein technisches Verfahren (Thermomodifikation) entwickelt, das einheimische Hölzer, wie Fichte, Ahorn oder Kirsche mit ausgezeichneten Klangeigenschaften versorgt und sie damit für den Bau akustischerGitarren nutzbar macht. Durch eine besondere thermische Behandlung erhalten die heimischen Hölzer mindestens die gleichen akustischen Eigenschaften wie Tropenholz. Bei der Thermomodifikation werden einheimische Hölzer mit einer bestimmten Temperatur und einem bestimmten Druck unter sauerstoffarmer Atmosphäre für eine gewisse Zeit thermisch behandelt, um die notwendigen Alterungs- und Umbauprozesse des Holzes zu erreichen.

„Seit Anfang 2017 gelten für den Handel mit bedrohten Hölzern aus den Tropen strengere Bestimmungen. Musikinstrumentenbauer stehen daher vor der Herausforderung, Alternativen für diese tropischen Hölzer mit ihren besonderen Klangeigenschaften zu finden”, begründet Hanika die Entwicklungsarbeit. „Wir haben ein spezielles

Verfahren entwickelt, das heimische Hölzer für den Einsatz im Gitarrenbau vorbereitet und sind somit unabhängig

vom Import geschützter Tropenhölzer.”

Die Kombination spezieller, lang gelagerter Hölzer war für das Erreichen des gewünschten mechanischen und dynamischen Verhaltens und zur Erfüllung optischer Ansprüche von hochwertigen Saiteninstrumenten bislang unverzichtbar. Zum Einsatz kamen beispielsweise westindische Zedrele für den Hals, ostindischer Palisander für Zarge und Boden sowie Ebenholz für das Griffbrett.

Bisher mussten für den hochwertigen Konzertgitarrenbau Tropenhölzer zwischen sechs und zehn Jahre gelagert und luftgetrocknet werden, bevor sie als sogenannte Tonhölzer für den Bau der Instrumente geeignet waren. Durch die in dieser Zeit ablaufenden Prozesse erhielten die Tropenhölzer eine hohe Resonanzgüte (hohe Steifigkeit bei geringer Rohdichte), hohe Dimensionsstabilität (geringeres Quellen und Schwinden) sowie reduzierte Wachstumsspannungen.

Im Projekt wurden einheimische Holzarten wie Fichte, Ahorn, Eiche oder Kirsche einer gezielten thermischen Behandlung bei geeigneter Behandlungstemperatur, -zeit und -druck unterzogen, um Umbau- und Alterungsprozesse des Holzes anzustoßen und zu beschleunigen. „Im Ergebnis haben die heimischen Hölzer Materialeigenschaften, die denen der lang gelagerten Tropenhölzer mindestens gleichwertig sind und können nach nur etwa einem Jahr nach Beschaffung zu qualitativ hochwertigen Konzertgitarren verarbeitet werden”, so Hanika. Die thermische Behandlung erforderte zudem die Entwicklung neuer Holzverarbeitungsverfahren, um auch den Anforderungen an die Statik der Musikinstrumente gerecht zu werden. Beispielsweise wurden Fixiervorrichtungen für Zargen und Verstärkungselemente für Zargen und Stege entwickelt sowie ein neues Verleimungssystem

etabliert.

lm Ergebnis des Projektes werden bei Hanika seit Mitte 2017 vier neue Gitarren- Modelle (Basis-, Mittel-, Ober- und Meisterklasse) aus ausschließlich thermomodifizierten einheimischen Hölzern auf dem deutschen Markt sowie in der Schweiz und Österreich angeboten. Vor allem die Basisklasse werde erfolgreich an große namhafte Musikfachhändler verkauft. „Mit den vollständig tropenholzfreien Konzertgitarren konnten wir als Handwerksunternehmen unsere Umsätze um rund 220 000 Euro erhöhen und einen neuen Arbeitsplatz

schaffen. Aufgrund besonderer Kundenwünsche vertreiben wir weiterhin auch noch Modelle, die aus einheimischen

und Tropenhölzern gefertigt werden.”

Die Meisterwerkstatt Hanika Gitarren baut seit 1953 klassische Gitarren. 1993 übernahm der jetzige Geschäftsführer Armin Hanika den elterlichen Betrieb und führte den Gitarrenbau mit konstant hervorragender Verarbeitungsqualität sowie hoher Innovationsbereitschaft fort. Die jährlich rund 2000 verkauften Konzertgitarren werden auch heute noch überwiegend in Handarbeit hergestellt. Heinz Reiß

 

Armin Hanika mit Gitarrenhals aus modifiziertem Holz. Im Hintergrund sind Korpusse aus der „Nativ” -Reihe zu sehen Foto: Heinz Reiß